US-Präsident Donald Trump hat am Mittwochabend eine weitreichende Ausweitung seiner protektionistischen Handelspolitik angekündigt. Geplant ist ein allgemeiner Basiszoll von 10 Prozent, der grundsätzlich auf alle Importe erhoben werden soll. Ergänzt wird dieser durch länderspezifische Massnahmen, die laut Trump «reziprok» ausgestaltet und als Reaktion auf bestehende Handelsbeschränkungen anderer Länder zu verstehen sind. Die Schweiz ist mit einem Zollsatz von 31 Prozent betroffen, während für EU-Güter ein tieferer Satz von 20 Prozent und für Güter aus China ein Satz von 34 Prozent gelten soll.
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Finanzmärkte unter Druck: US-Präsident Trump verschärft Handelszölle massiv
Massive wirtschaftliche Folgen, vor allem für die USA selbst
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Massnahmen sind erheblich und treffen in erster Linie die US-Wirtschaft und Bevölkerung selbst. Die neuen Zölle verteuern Importe spürbar. Der daraus resultierende Kostendruck muss entweder von den US-Unternehmen getragen werden, was zu sinkenden Margen und möglichen Beschäftigungseffekten führen kann, oder er wird an die Konsument:innen weitergegeben, was sich in deutlich höheren Inflationsraten niederschlagen würde. In beiden Fällen dürfte der konjunkturelle Gegenwind zunehmen und die Binnennachfrage weiter unter Druck geraten.
Auch die Weltwirtschaft dürfte die Folgen des sich verschärfenden Handelskonflikts zu spüren bekommen. Zwar sind die konkreten Gegenmassnahmen anderer Länder derzeit noch unklar, ein Rückgang des globalen Exportvolumens scheint jedoch kaum vermeidbar. Davon wird auch die Schweizer Wirtschaft betroffen sein, die ihrerseits mit Ausnahme von landwirtschaftlichen Gütern zwar keine oder nur sehr geringe Zölle auf US-Importe erhebt, aber einen beträchtlichen Handelsbilanzüberschuss aufweist und wohl auch deshalb mit sehr hohen Zöllen belegt wurde. Positiv für die Schweizer Wirtschaft ist jedoch, dass pharmazeutische Produkte, die rund die Hälfte der Schweizer Exporte in die USA ausmachen, bisher von den Massnahmen ausgenommen sind.
Festhalten an defensiver Positionierung
Die Finanzmärkte reagierten mit kräftigen Verlusten auf die Ankündigung der neuen Zölle. Damit setzte sich der Abverkauf an den Aktienmärkten fort. Bereits im Vorfeld setzte eine Flucht in sichere Anlagen ein, die den Aktienmärkten Verluste bescherte. Angesichts der gestiegenen Unsicherheit und der drohenden Gegenmassnahmen empfehlen wir, an unserer defensiven Positionierung festzuhalten.
Wir bleiben daher zurückhaltend und gewichten den US-Aktienmarkt weiterhin unter. Drohende steigende Inflationsraten, eine schwächelnde Wirtschaft und die hohe Abhängigkeit der Konjunktur von den Konsument:innen, deren Stimmung bereits gesunken ist und weiter leiden dürfte, könnten die Unternehmensgewinne und Aktienkurse in den USA zusätzlich belasten. Stattdessen setzen wir auf amerikanische Staatsanleihen, die unsere defensive Positionierung stützen und von einer nachlassenden US-Konjunktur besonders profitieren könnten. Zudem ergänzen wir unsere defensive Haltung mit einem Übergewicht im unterbewerteten japanischen Yen, der als sicherer Hafen gilt, sowie in börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds, die insgesamt weniger von der Zollpolitik betroffen sind.

Philipp Merkt
Chief Investment Officer